Desaster: NDR und ARD-Aktuell versuchen sich wieder einmal in investigativem Journalismus

Ungeheuerliches hatte der NDR herausgefunden. Das syrische „Regime“ um „Machthaber“ Bashar al-Assad verfügt über eine geheime Fahndungsliste, die seit gestern nun nicht mehr so geheim ist. ARD-Aktuell nennt die syrische Regierung immer Regime und den syrischen Präsidenten immer Machthaber, damit dem doofen Fernsehkonsumenten schon einmal gleich die Rollen der Darsteller klar gemacht werden. Assad übernimmt hier unzweifelhaft die Rolle des Schurken.

„Das Assad-Regime hat Hunderte Deutsche erfasst. In der geheimen Datenbank, die dem NDR zum Teil vorliegt, werden Politiker, Wissenschaftler und Journalisten aufgelistet. Gegen manche gibt es in Syrien sogar einen Haftbefehl.“

So aufgeklärt und mental eingestimmt, klären uns die Autoren des Beitrages auf der Seite von „Tagesschau.de“, Volkmar Kabisch und Amir Musawy über das schwere Schicksal des Fotojournalisten und Filmemachers Marcel Mettelsiefen auf:

„Es war der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Hollywood-Stars um ihn herum – und mittendrin der Filmemacher und Fotograf Marcel Mettelsiefen. Mit seiner Dokumentation ‚Watani – My Homeland‘ war er für den Oscar nominiert.“

Das Leben in Glanz und Gloria, im Scheinwerferlicht der Berichterstatter aus der Welt der Promis, der Reichen und Schönen ist für Mettelsiefen erst einmal vorbei. Mit der

„preisgekrönten Berichterstattung aus dem Bürgerkriegsland (soll) jetzt Schluss sein – jedenfalls, wenn es nach dem Regime um Machthaber Bashar al-Assad geht.“

Der militärische Geheimdienst habe gegen

„den Berliner Filmemacher einen so genannten Entry Ban verhängt: Mettelsiefen darf nicht mehr nach Syrien einreisen.“

Der Grund dafür, so teilt der NDR seiner angewiderten Zuschauerschaft mit, ist die oben erwähnte Fahndungsliste. Nun mag der Eine oder Andere ob der rigiden Einreisebestimmungen der noch vor kurzem, also als dort noch der Drohnenmörder Obama regierte, als leuchtender Stern der Pressefreiheit und der liberalen Bürgerrechte gefeierten USA sich fragen, was denn nun der ganze inszenierte Aufstand des NDR soll. Aber Fakt ist nun einmal, dass Fahndungslisten eines „Machthabers“ Assad und Fahndungslisten deren Autoren die Schlapphüte der CIA, des NSA und des FBIs sind, sich fundamental dadurch unterscheiden, dass die einen Ausdruck der Willkür und des Machtmissbrauchs sind, und die anderen der Bewahrung von Recht und Ordnung, Wohlstand, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit der Bürger der USA und somit der ganzen westlichen Welt dienen.

Drei Kategorien gebe es auf den Listen, so teilt der NDR in seinem Sensationsbericht, der ausser im Internet noch im Deutschlandfunk und im Medienmagazin „Zapp“ verbraten wurde, mit. Da sind zunächst diejenigen Personen, über deren Einreise in das Land der syrische Geheimdienst informiert werden will. Dann gibt es dort die Gruppe derer, denen

„sehr wahrscheinlich (nichts genaues scheint man nicht zu wissen, ein Umstand, der zunehmend zum Grundsatz journalistischer Berichterstattung geworden zu sein scheint) ein Besuch des Landes grundsätzlich verwehrt“

bleibt. In dieser Kategorie, so der NDR, befänden sich ausser dem bereits erwähnten Mettelsiefen, viele zahlreiche deutsche Journalisten. Nennen mag uns der Sender aber nur beispielhaft

„Wolfgang Bauer von der Wochenzeitung „Die Zeit“ oder der Chefredakteur der Zeitschrift „Zenith“, Daniel Gerlach.“

Interressant in diesem Zusammenhang, dass hier auch Daniel Gerlach genannt wird, der ebenso wie Mettelsiefen zu den Gründern der als gemeinnützig anerkannten „Candid Foundation gGmbH“ gehört. Die „Candid Foundation gGmbH“, die ihren Sitz in Berlin hat, informiert auf ihrer ausschliesslich in englischer Sprache gehaltenen Internetseite unter der Rubrik „What we do“ über ihre Tätigkeit:

„Wir beraten internationale Institutionen in verschiedenen Fachgebieten, die die soziale, politische und kulturelle Entwicklungen in Afrika, dem Mittleren Osten, Asien und dem Mittelmeerraum umfassen. Wir denken unabhängig und schließen den unkonventionellen Ansatz nicht aus“,

und behauptet von sich:

„Die CANDID Foundation ist eine unabhängige gemeinnützige Einrichtung“.

Was ein wenig verwundert, da in der Rubrik „Our Partners“ unter anderen auch die „Vodafon Stiftung Deutschland,“ die „Robert Bosch Stiftung“, die „Siemens Stiftung“, die von der deutschen Bundesregierung finanzierte „Deutsche Gesellschaft für Zusammenarbeit (giz) GmbH“, kurz giz und ganz direkt die deutschen Regierungsstellen, das Aussenministerium und das Wirtschaftsministerium genannt werden.

Diese „Candid Foundation gGmbH“ gibt nicht nur die Zeitschrift „Zenith“ heraus, die sich selbst als

„ein unabhängiges deutsches Fachmagazin“

bezeichnet, was ein weiteres Mal verwundert – bei den Geldgebern. Sie ist auch Mitfinanzier des für den Oskar nominierten Film Mettelsiefens: „Watani – My Homeland“ dem dieser letztendlich den „Höhepunkt seiner Karriere: roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Hollywood-Stars um ihn herum“ zu verdanken hat.

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