Persönliches zum 3. Oktober

Als die Grenzen der DDR zur BRD geöffnet wurden, war ich gerade kurz vorher mit dem Studium der Sozialwissenschaften fertig und plante, interdisziplinär mit Ökonomen, Historikern und Juristen zusammen zu promovieren. Unser Thema war einer meiner Schwerpunkte, nämlich die „Deutsch-Deutschen Beziehungen“. Insofern verfolgte ich das historisch bedeutsame Geschehen gespannt.
Ich bin ein echtes Kind der alten BRD, als ich Anfang der 60er geboren wurde, war die Berliner Mauer bereits Fakt und EIN Deutschland gab es nicht. Anders als mein Vater, der mal mit mir an der Grenze stand und sagte, „hier kommen wir nicht weiter, aber wenige Kilometer hinter der Grenze ist mein Zuhause“ kannte ich nur die BRD und die DDR, über die bei uns daheim, einem reaktionären Elternhaus und einer Verwandschaft aus lauter verachtenswerten alten Nazis, die zum Teil hohe Funktionen inne hatten, auch in der BRD, nur „Zone“ und bei meiner Großmutter „Ostzone“ genannt wurde, was sie auch bei Besuchen in der DDR sagte. Ich hätte mir gewünscht, dass sie dort Ärger bekommt, aber offensichtlich war die DDR wesentlich toleranter als die rechte Propaganda a la Bild und Löwenthal vom Zweiten Dumm Funk es uns weismachen wollte. Vielleicht hat man auch einfach nur bemerkt, dass sich die Aufregung nicht lohnte, denn Omma war ziemlich dämlich. Typische kleinbürgerliche Nazimitläuferin. Großes Maul und feige.
Durch die Wahrnehmung der Realität mit zwei deutschen Staaten war besonders die Zeit vor der Einverleibung des Staatsgebiets der DDR in die BDR für unser Kollektiv angehender Doktoranden interessant, denn wir diskutierten die schier ungeahnten Möglichkeit, auf deutschem Boden eine echte sozialistische oder gar kommunistische Gesellschaft aufzubauen. Dass die DDR im bisherigen Sinne nicht weitergeführt werden konnte, war uns klar, denn die Strukturen waren festgefahren und manche Dinge hatten mit Sozialismus wenig zu tun, so wir zum Beispiel das Zelebrieren preußischer Traditionen in der DDR, etwas was für mich als Marxisten absolut undenkbar ist. Preußische Traditionen sind nichts weiter als aggressiver Imperialismus und Militarismus.
In dem Zeitraum von der Grenzöffnung bis zur Vernichtung der DDR, ihrer Errungenschaften, ihres volkswirtschaftlichen Vermögens und ihrer Betriebe, kamen unzählige Bücher auf den Markt, das Spektrum reichte von Bahro bis zu marxistischen Splittergruppen. Man konnte, was noch Anfang der 80er Jahre undenkbar war, Tageszeitungen aus der DDR an zwei guten Kiosken meiner Stadt kaufen, um Infos aus erster Hand zu erhalten. Wir bereisten die DDR unbehelligt und ich deckte mich mit Büchern ein, natürlich mit den MEW, Lenin, Rosa Luxemburg. Ich habe die paar Mark, die ich zur Finanzierung meines Studiums in miesesten Drecksjoby verdiente, komplett in Bücher umgesetzt. Besonders stolz war ich darauf, Faschismustheorien des von mir hochverehrten Professors Gossweiler erwerben zu können. Auch etwas, was man in der BRD alt nicht bekommen konnte.
Doch je mehr sich die Ereignisse überschlugen, um so mehr verloren wir den Faden, bis uns allen die Finanzen ausgingen und unser Kollektiv auseinander fiel und jeder sich anderweitig beruflich orientierte Zudem war zu konstatieren, dass je mehr das volkswirtschaftliche Vermögen der DDR vernichtet wurde, um so mehr die Kräfte die Oberhand gewannen, die wieder vom „einig Vaterland“ träumten. Für mich war es das Ergebnis von reaktionären Aktivitäten aus dem Osten und der Hetzer und Karrieristen aus der BRD. Man darf nicht vergessen, dass die BRD unter Kohl, dem Symbol für Starrsinn und Korruption, stagnierte. Es war nicht einfach, einen anständigen Job zu finden. Da kam der Ausverkauf des Ostens gerade recht, die Nieten und Nullen aus dem Westen, die Unfähigen und Großkotze konnte man in den Osten schicken, dem Ossi zeigen, wie man richtig arbeitet. Manfred, Udo und Walter trafen auf Silvio, Maik und Reno. Der Osten wurde schlichtweg platt gemacht. Die Bourgeoisie schien gewonnen zu haben. Auch ich begann an meinen marxistischen Idealen zu zweifeln und war einige Jahre aus Enttäuschung und Frust vollkommen apolitisch, so wie die herrschende Klasse es gern hätte. Der unpolitische Verbraucher.
Die Bilanz seit der Wiedervereinigung ist düster, mehr noch. Es rächt sich, dass die BRD alt im wesentlichen auf alten Nazistrukturen und alten Nazis basierte und der Faschismus nie anständig aufgearbeitet wurde. Unsagbar schlechte Historiker wie Fest oder im Zweiten Dumm Funk der Knopp verherrlichen den Faschismus mehr als ihn aufzuarbeiten. Die Strategie war und ist so zu tun, als ob die Nazis vom Himmel fielen und 12 Jahre über Deutschland herrschten und man tat den Faschismus als das Werk und den Willen der Führer ab. Klar, es wird verschleiert, dass Faschismus ein strukturelles Phänomen der bürgerlichen Herrschaft ist und fast das GANZE Volk mitgemacht hat, weil durch die spezifische inhumane Sozialisation in Deutschland tief in den Köpfen Empathielosigkeit, Antikommunismus, Vorurteil, Ignoranz, Rassismus und Antisemitismus sowie Idiotie verwurzelt sind.
Dadurch hat ein gewisser großer Teil der Bevölkerung der alten BRD einigermaßen relativ geschlossen rechtsextremes Weltbild (SINUS Studie „Wir sollten wieder einen Führer haben“) in das zwangsvereingte Deutschland gebracht. Aber auch in der DDR, welche ich über weite Strecken bei all ihren Nachteilen für das bessere Deutschland hielt und noch halte, hat man trotz des offiziellen Antifaschismus nicht anständig entznazifiziert. Genauso wie Stalin beim Aufbau des Sozialismus in einem Lande auf bürgerliche Elemente zurück griff / greifen musste, wurden auch in der DDR alte Faschisten in Amt und Würden gesetzt, wenn auch in geringerem Ausmaß. Schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass man per Order de Mufti beschloss, dass die DDR antifaschistisch sei. Wie konnte man glauben, aus einem Volk von Feiglingen, Nazis, Obrigkeitshörigen und Rassisten ein Volk von guten Menschen machen zu können? Wenn man offiziell eine Linie fährt und inoffiziell können bürgerliche Elemente daheim oder in der Kneipe ihr Maul aufreißen und rassistische Parolen schwafeln, dann muss man sich nicht über das Resultat wundern.
Man hat in der DDR meines Erachtens nach nichts gegen diese Einstellungen unternommen. Eher noch haben sich rassistische Einstellungen im täglichen Leben durchgesetzt, wie ist es sonst zu erklären, dass ausländische Arbeiter aus Vietnam usw. vollkommen isoliert vegetieren mussten? Es stimmt schlicht und einfach nicht, was unsere BRD Lügenpropaganda über die DDR verbreitet hat; man konnte in der DDR durchaus sagen, was man wollte, nur bei manchen Prominenten hat man da Ausnahmen gemacht. Leider zu unserem Nachteil, so mussten wir also eines Tages den furchtbaren Wolf Biermann ertragen. Den hätten sie behalten sollen, Erich und Margot wussten schon, warum er nicht mehr in der DDR erwünscht war.
Dazu kommt die Tatsache, dass mit Übernahme der DDR auch das hervorragende Bildungssystem vernichtet wurde. Was das BRD Bildungssystem vermag, sieht man aus dem, was an Rechtsextremismus, Faschismus und Rassismus in Ostdeutschland abgeht. Ich kann die Ossis verstehen, die frustriert sind über Hartz IV und die Trostlosigkeit in vielen abgehängten Regionen in Ostdeutschland, wo Deutsche mittlerweile sogar in Polen arbeiten. Aber liebe Ossis, wenn ich das mal so sagen darf, nicht die Ausländer bzw. die Flüchtlinge nehmen euch alles, das macht die herrschende Klasse, vertreten durch ihre Handlanger in Wirtschaft und Politik. Und weiter: diese faschistoide AfD ist keine Alternative, sie ist die Partei der Nullen und Nieten aus anderen Parteien und Vertretern des Kapitals, das was die anderen an unsoziale Dingen nicht schaffen, das werden dann die AfD Nazis tun. Leute, dann gibt es kein Hartz mehr, dann gibt es für euch Arbeitsdienst. Und wenn sie die Ausländer alle weg haben, dann seid ihr dran.
Auf Dauer gesehen war es ein Fehler, dass man der BRD die Angliederung der DDR an die BRD ermöglichte. Gorbatschow hat den ganzen Ostblock verraten an den Westen, um seine persönliche Macht zu erhalten.
Die westdeutsche Bourgeoisie hat aus ihrer Sicht logisch gehandelt, im Eiltempo alle Errungenschaften der DDR, der deutschen Arbeiterklasse, zu tilgen. Es gab viele hervorragende Errungenschaften, die eventuell der Macht des Bürgertums hätten gefährlich werden können. Für mich hat die Wiedervereinigung, wie sie genannt wird, der Arbeiterklasse, der Masse der Lohnabhängigen inklusive der Erwerbslosen und der Rentner, eine WIRKLICHE Alternative, die Realität war, geraubt. Wenn ich am 03.10., dem schlimmsten Datum für mich, irgendwo im TV die verdammten Scorpions mit ihrem abgrundtief beschissenen „Wind of Change“ höre, werfe ich das TV Gerät aus dem Fenster. Das wäre sozusagen das Tüpfelchen auf dem I. Ich frage mich nur oftmals, wo denn die ganzen aufrechten Kommunisten und Sozialisten, Marxisten, Leninisten der DDR geblieben sind? Wo sind die Sozialisten, die während der Umbruchphase so viele positive Ideen hatten, eine bessere DDR, ein besseres Deutschland zu schaffen? Seid ihr wirklich alle korrumpiert von diesem Schweinesystem? Oder seid ihr alle weg?

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Berufspolitiker – wenn die Wiederwahl eine Existenzfrage ist

Die meisten Menschen kennen das Elend in einem ungeliebten Job seine Stunden abreißen zu müssen, Geschäftigkeit vorzutäuschen und im Grunde genommen den Dingen ihren Lauf lassen. Der ständige Blick auf die Uhr, die sich kaum bewegt und das Geseire von Vorgesetzten die im Grunde auch nur die Zeit rumkriegen wollen.

Berufspolitiker – wenn die Wiederwahl eine Existenzfrage ist

Der Spiegel und Spiegel-online – Kampagnenjournalismus statt seriöser Berichterstattung

Spiegel-online hat von schier Unglaublichem gehört. Russische Hacker attackieren WDR-Journalisten. Investigativ wie die Jungs und Mädels vom Spiegel nun mal sind, haben sie sich sogleich hinter die Story geklemmt. Immerhin drei Spitzenkräfte wurden abgestellt, um zu recherchieren: Matthias Gebauer, seit Oktober 2008 Chefreporter von Spiegel-online, begonnen hat er seine Laufbahn als Polizeireporter bei der Bild, was einiges erklärt, Marcel Rosenbach und Jörg Schindler sind als investigative Journalisten offiziel anerkannt und als solche 2014 ausgezeichnet worden mit dem nach dem Stern-Herausgeber und Mitglied der Propagandaeinheit SS-Standarte Kurt Eggers, benannten Henry-Nannen-Preis für die beste investigative Leistung, den 2012 die Bildredakteure Nikolaus Harbusch und Martin Heidemans für das epische Werk: „Wirbel um Privat-Kredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ bekamen. Was wiederum die ebenfalls 2012 ausgezeichneten Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter dazu veranlasste, aus Protest ihren Preis nicht anzunehmen.

Man sieht, Spiegel-online hat so ziemlich das Beste aufgeboten, was in der Redaktion gerade beschäftigungslos in der Nase bohrte. Entsprechend hochqualitativ ist dann auch der Artikel ausgefallen.

So beginnt das Elaborat mit dem Satz:

„Russische Hacker haben versucht, einen Journalisten des WDR auszuspähen.“

Deutete bis hierher noch, genau wie in der etwas reisserisch formulierten Überschrift, alles auf eiserne Gewissheit, auf ein unumstössliches Faktum hin, so erweckt der Beginn des zweiten Satzes bereits erste Zweifel an der Seriosität der Meldung. Heisst es dort doch:

„Nach SPIEGEL-Informationen …“.

Nun ist das mit den Spiegel-Informationen so eine Sache. Entweder man glaubt, was da geschrieben steht, oder man glaubt es nicht. Beweise für die Behauptung bleibt das Blatt wie immer schuldig.

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Aufgelesen und kommentiert 2016-09-08

Hartz IV-Falle – Leben mit Schikanen Bundesverfassungsgericht: Rente des Vaters wird auf Hartz IV angerechnet Jobcenter verweigert jahrelang Schulbeihilfe Die LINKE deckt auf: Fast eine Million Leiharbeiter Zum Stopfen des Stuttgart-21-Loch: Deutsche Bahn will Tochtergesellschaften privatisieren CSU = Die gefährlichste Partei in diesem Land Arbeitsministerin Nahles (SPD) plant Kürzungen für Asylbewerber 310 Milliarden Euro Export-Wahnsinn: Deutschland bringt die Weltwirtschaft durcheinander Buchautor Jürgen Grässlin: Wer Waffen liefert wird Flüchtlinge ernten Großbritannien baut kapitalistischen Schutzwall Angst vor sozialem Widerstand überschattet den G20-Gipfel Europa atmet auf: Die Flüchtlingszahlen sinken

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Systemmedien für den Rechtsruck

Im Portal „Meedia“ las einen kurzen Artikel, der davon handelte, dass der Chef des Deutschen Journalistenverbandes Frank Überall im Umgang der Medien mit der AfD vor einer Dämonisierung warne sowie auch vor Ignorieren („Ohne Schaum vor dem Mund berichten“: DJV-Chef Überall fordert mehr Sachlichkeit in AfD-Berichterstattung › Meedia).

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